| Wie Konflikte Eskalieren | |
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Friedrich Glasl stellte in seinem Hauptwerk "Konfliktmanagement" (die achte Auflage erschien im Haupt Verlag, 2004) ein Modell vor, das beschreibt, wie Konflikte eskalieren. Sein aus der jahrelangen Konfliktbegleitungspraxis geborenes Modell hat neun Stufen; Glasl sagt (und das deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen) dass Konflikte nicht einfach kontinuierlich schlimmer werden, sondern dass es Stufen gibt, welche man herunterfällt, wobei sich die Dinge klar sichtbar ändern. Glasls neun Stufen mit kurzen Beschreibungen habe ich graphisch dargestellt: mit dem Namen, den Glasl ihnen gab; Stichworten, welche sie kurz beschreiben sollen; und oben, auf blauem Hintergrund, Methoden zum Konfliktmanagement und auf welchen Stufen sie sich anwenden lassen. Glasl hat selbst in seinem Buch "Selbsthilfe in Konflikten" (Haupt 2002) einen Bezug seiner neun Stufen zu den neun Engelshierarchien hergestellt. So ist der Schritt zum Tarot nicht mehr weit. Auf dieser Seite nun beschreibe ich in einer ersten Skizze die neun Stufen der Konflikteskalation mit den Zahlenkarten des Rider-Waite-Tarot, beziehungsweise mit den vier Elementen. Es ist erst eine Stichwortskizze: um eine geschlossene Beschreibung zu erhalten, muss ich noch daran arbeiten, und ich möchte später noch weitere Informationen hineinbringen, die ich in diesem Text erst durch Stichworte in [] antöne, aber vielleicht hilft diese Zusammenstellung Ihnen ja schon in dieser Form. |
| Stufe 0: Kein Konflikt | |
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Das Feuer ist gebündelt, weggeräumt: Mühelosigkeit, Krafteffizienz. Die Gefühle sind erfüllt, präsent, sichtbar und geniessbar. Die Gedanken sind konkret, gerichtet, "festnagelnd" im Sinne von realitätsbezogen. Das Empfinden und das Materielle sind präsent, klar geordnet, wirksam. |
| Stufe 1: Verhärtung | |
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In der Kraft kommt eine Verteidigungsbereitschaft dazu, ein Misstrauen, Argwohn, Missmut. Die Gefühlswelt wird beschützt, ein Teil davon wird abgeschottet, es kommt zum Krampf. In Gedanken erscheint eine schmerzhafte Erstarrung (im Sinne von "weniger lebendig werden") und wiederholte Erwach-Effekte ("Aha, schon wieder muss ich, schon wieder das, schon wieder sie ...") In der materiellen Welt beginnt das Beschützen des Eigenen und das aufmerksame Betrachten des Anderen, es kommt zu Verkrampfung. |
| Stufe 2: Debatte und Polemik | |
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Die eigene Kraft wird jetzt erstmals systematisch eingesetzt. Die Gefühle werden geordnet deponiert und möglichst beiseite gelassen, beziehungsweise klar geordnet gezeigt. Die Gedanken werden systematisiert: die Wirkung ist das Fesseln und Blindmachen des Gegeners mit verbaler Gewalt; als Resultat wird man selber auch weniger beweglich und auf die eigene Position eingeengt. Es gibt plötzlich Parteien und Lager, wenn auch noch nicht klar abgegrenzte und starre. Auch im Empfinden und Handeln gibt es Polarisation: durchdrücken des eigenen Standpunktes, bei der Aussenwelt für sich Punkten. |
| Stufe 3: Taten statt Worte | |
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Die Kraftanstrengung schlägt um in "kämpfen um des kämpfens Willen", man sieht überall Widerstände, auch wo keine sind. Pessimistische Antizipation, Verfolgungswahn. Die Gefühle werden widersprüchlich, unübersichtlich und überwältigend; durch den Verlust an Ordnung in der Gefühlswelt geht nun auch die Empathie verloren. Die Gedanken können davongetragen werden: Heimlichtuerei, Diskrepanz zwischen verbalem Verhalten (Vielfalt) und non-verbalem Verhalten (unzulässige Vereinfachung). Non-verbales Verhalten dominiert: Taten statt Worte. Durch das Zuviel an Taten wird die Arbeit mühsam und führt nirgends mehr hin. [Rollenkristallisation] |
| Stufe 4: Images und Koalitionen | |
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Die Kraft äussert sich Triumphzugmässig: wir sind die Helden, kämpft mit uns! Der Kraftausgleich geht dabei verloren, mit Imagekampagnien manövrieren die Gegner einander gegenseitig in negative Rollen. In den Gefühlen geht die Harmonie verloren, der Gefühlsaustausch lebt nicht mehr, die Gegner gehen nicht mehr aufeinander zu, gute Gefühle hat man nur noch für sich selbst und schlechte Gefühle nur noch für den Gegner. Die Gedanken werden einseitig geordnet und zum Vorwärtskommen gebraucht, man lässt sich blind und unkritisch davon treiben, und es kommt zu immer mehr sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Man übersetzt (interpretiert) auch gewisse Vorkommnisse bewusst falsch und setzt so Gerüchte in Umlauf. Im Materiellen nimmt man weg, wo schon zu wenig ist, und gibt dazu, wo schon zuviel ist, da aber nichts Neues geschaffen, sondern nur Ungelichgewicht verstärkt wird, bleibt dieses Verhalten dementierbar. [Klischees, doppelte Bindungen] [symbiotische Koalitionen] |
| Stufe 5: Gesichtsverlust (Gesichtszerstörung) | |
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Die Kraft wird nun vor allem zum Angreifen und Einschränken eingesetzt. Man versucht den Gegner zu verbrennen, sein Gesicht (d.h. wie er von den Mitmenschen gesehen wird) zu entstellen. Die Gefühle leeren aus, man fühlt sich leer, alleine, isoliert, unfähig, die alten guten Gefühle noch zu sehen. Mit den Gedanken wird sezierend verfahren: Demaskierung des Gegners ist das Ziel, "ich wusste es ja schon immer ...", und die Gegner verlieren das Gesicht, es kommt jetzt zu rückwärts blickenden Aha-Erlebnissen. In der realen Welt gibt es jetzt Ausgestossene und Verbannte, die nur wieder zurück ins Warme wollen, es gibt soziale Isolation, aber es geschieht auch, dass dier, denen es noch gut geht, das nicht mehr sehen. Sozialer Autismus setzt ein. [Engel-Teufel-Bild, Doppelgänger] [Ekel] [Ideologie, Werte, Prinzipien] [Rehabilitierungswunsch] |
| Stufe 6: Drohstrategien | |
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Die Kraft hat keine Bremse mehr, und der Konflikt wird rasant schneller. Gefühlsmässig ist man so überladen, dass man keine weiteren Gefühle mehr zulässt und die bereits vorhandenen Gefühle scheinbar befriedigt, indem man sie objektiviert. Die Gedanken: man hat so sehr genug, dass man das noch Lebende in den Gedanken abtötet, nach Schema F vorgeht, und dabei extrem vorgeht, Ultimata stellt, sich zu fest auf ein bestimmtes Ziel ausrichtet und sich dabei immer mehr selber blockiert. In Bezug auf die Welt sitzt man auf dem, was man hat, und fordert noch viel mehr, droht auch Sanktionen an, nicht mehr um sich zu schützen, sondern als Strategie zum Sieg. Drohung und Gegendrohung. [Proportionalität geht verloren] [Selbstbindung] [Scherenwirkung] |
| Stufe 7: begrenzte Vernichtungsschläge | |
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Starke Konzentration auf die eigene Kraft, und wie sie möglichst weit gegen den Gegner eingesetzt werden kann, auch wenn dann wenig Kraft für sich selber bleibt. Die Gefühle überfliessen; ertrinken in den eigenen Gefühlen des Schmerzes und Wunsch, den eigenen Schaden zu minimieren. Das Denken wird konzentriert auf das Ziel, den Gegner im Lebendigen zu treffen, und es hat nichts mehr herzliches und sehr wenig mesnchliches an sich. Angriff auf weltliche Strukturen, Zerstörung der Form des Gegners, niederreissen seiner Verteidigung und Zerstörung seiner Angriffsmittel. [passende Antwort] [keine menschliche Qualität mehr] [Umkehr der Werte: relativ kleiner eigener Schaden wird als Gewinn whahrgenommen] |
| Stufe 8: Zersplitterung | |
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Benützen der Kraft, um den Gegner in seiner Ganzheit von innen zu verbrennen, seine Lebensgrundlage zu zerstören, sein System explodieren zu lassen. Jegliche gefühlsmässige Begegnung wird zerstört, Brücken werden alle abgerissen, kein Kontakt mehr. Totalverlust der Fähigkeit, Folgen des eigenen Verhaltens durchzudenken. Der Gegner wird gelähmt. Man wird selber blind. Gegenseitige Durchdringung und Ausstrahlung ist so stark überbetont, dass es zu grössten Wellenbewegungen im Konflikt kommt, das Ganze wird unberechenbar, fällt auseinander, zersplittert. [Abschnüren der Exponenten vom Hinterland] |
| Stufe 9: gemeinsam in den Abgrund | |
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Absolut unkontrollierter Einsatz von Kraft, Fühlen, Denken und Handeln. Kraft: totale Konfrontation zum Preis der Selbstvernichtung Die Gefühle sind tot. Gedanken sind nur noch Waffe, Mittel zum Zweck. In der realen Welt ist jeder Weg zurück abgeschnitten. |
| © 2007 Hanspeter Schmid | |