Die Zehn Kräfte

Im Tarot sind alle objektiven Kräfte in zehn Kategorien eingeteilt. Objektive Kräfte sind Kräfte, welche ich auf die Welt ausübe, welche die Welt auf mich ausübt, oder welche verschiedene Teile der Welt aufeinander ausüben.

Das folgende Bild (genannt "der Baum des Lebens") kann den Zusammenhang dieser Kategorien klarer machen:

Baum der Kräfte

Drei dieser Kategorien beschreiben impulsgebende Kräfte: 2, 4 und 7. Sie sind im Bild rechts und mit den Farben grau, blau und grün dargestellt. Drei Kategorien beschreiben formende Kräfte: 3, 5 und 8.  Sie sind links und schwarz, rot und orange. Vier Kategorien beschreiben umwandelnde Kräfte: 1, 6, 9 und 10. Sie sind in der Mitte und weiss (bzw. hellgrau), gelb, violett und vierfarbig.

Ebenso sieht man im obigen Bild etwas wie vier Ebenen: drei Dreiecke und die Kategorie 10. Das obere Dreieck, 1, 2 und 3, stellt Impuls, Form und Umwandlung in ihrer unmittelbaren Form dar. Das mittlere Dreieck, 4, 5 und 6, stellt dasselbe dar als Kräfte im Raum oder als Kräfte auf eine Gestalt. Das untere Dreieck, 7, 8 und 9, bezeichnet Kräfte auf Einzelobjekte. Die Kategorie 10 schliesslich bezeichnet die Vollendung.

Bestimmt sind diese abstrakten Worte jetzt noch nicht klar.  Sie werden aber klarer, wenn Sie zuerst die Beschreibungen der zehn Kategorien durchlesen und dann noch einmal zurücklesen. Mit dem Verständnis dieser Zusammenhänge kann man dann von einer Karte, deren Bedeutung man gut versteht, auf andere Karten und ihre Bedeutungen schliessen (siehe Beispiel).

Von jeder dieser zehn Kategorien von Kräften kann man den Feuer-Aspekt, den Wasser-Aspekt, den Luft-Aspekt und den Wind-Aspekt betrachten, und so erhält man die Bedeutungen der vierzig Zahlenkarten des Tarot.

Übrigens, der Baum des Lebens ist ein Sinnbild der jüdischen Kabbalah. Dieses Bild eignet sich sehr gut zum Erklären des Tarot, aber ich sollte hier zwei wichtige Dinge erwähnen: erstens habe ich von der Kabbalah kaum eine Ahnung, also lernen Sie auf dieser Seite nur etwas über das Tarot und nichts über die Kabbalah. Zweitens taucht das Tarot in der kabbalistischen Literatur nicht auf; der Zusammenhang wurde von Tarot-Experten in den letzten zweihundert Jahre hergestellt. Weil aber alle Bilder der Zahlenkarten des Rider-Waite-Tarot von Arthur Waite konzipiert wurden, einem Gelehrten, der an diesen Zusammenhang glaubte, kommt man beim Studium des Tarot um den Baum des Lebens kaum herum.

Eins fassbar werden

stehen für die unmittelbarste Umwandlung: vom nicht fassbar sein zum fassbar sein.

Weitere Begriffe: Manifestation, entstehen, Anfang, Wurzelkraft, Quelle, aber auch ideales Ziel und Krönung, Karma.

Beispiel: ich sehe plötzlich, dass hier Wasser ist.

Zwei
ausstrahlen

Die Zweien stehen für die unmittelbare Art des Impulses: Ausstrahlung.

Weitere Begriffe: gerichtete Kraft, Begegnung, Zusammenstoss, Gegensatz und Ergänzung, Entzweiung, Durchdringung, Impuls, Quantität.

Beispiel: es ist eine ganze Menge Wasser, und sie ist in Bewegung.

Drei
empfangen

Die Dreien stehen für die unmittelbare Art des Formgebens: Empfang.

Weitere Begriffe: Form geben, Austausch, einfangen, bergen, umfassen, aufnehmen, Synthese, Qualität, erdrücken, einengen, verschlingen.

Beispiel: das Wasser füllt eine Brunnenschale auf, und nach einiger Zeit überläuft diese.

Vier
mehr / genug / zu viel

Die Vieren stehen für die gestaltende Art des Impulses: Wachstum.

Weitere Begriffe: gedeihen, beleuchten, wachsen, mehren, genug, blenden, zu viel, Stabilisierung, Bestätigung, überschaubar, neue Herausforderung.

Beispiel: das Wasser sprudelt aus dem Brunnenrohr heraus.

Fünf
korrigieren / reduzieren

Die Fünfen
stehen für die gestaltende Art des Formgebens: die Beseitigung dessen, was eine Neuwerdung behindert.

Weitere Begriffe: beseitigen, zerstören, reinigen, korrigieren, reduzieren, rechtmässig, Quintessenz, grausam, radikal, Veränderung bringend.

Beispiel: der sprudelnde Wasserstrahl trifft auf ein Blech.

Sechs
transformieren

Die Sechsen stehen für die gestaltende Art der Umwandlung: die Umformung oder Transformation.

Weitere Begriffe: reflektieren, erkennbar machen, Ausgleich, übersetzen, harmonisieren, Bewusstsein erhellen, neues Licht, Harmonie, zentrieren, vermitteln, Schönheit, Aufhebung der Widersprüche, zu wenig weit integrieren.

Beispiel: das Blech macht aus dem Wasserstrahl einen Wasserfächer.

Sieben
vervielfältigen

Die Siebner stehen für Impulswirkung auf viele verschiedene Objekte: Vielfalt.

Weitere Begriffe: Fruchtbarkeit, konturlos, schwankend, unbeständig, unordentlich, vielgestaltig, kritische Phase, unzusammenhängend, keine offensichtliche Lösung, Triebgebundenheit.

Beispiel: tausende kleiner Wassertropfen tanzen wild durcheinander.

Acht
systematisch

Die Achter
stehen für Formen aus vielen verschiedenen Objekten: System und Ordnung.

Weitere Begriffe: steril, vereinfachen, Bewegung innerhalb einer Struktur, dauerhaft, Erfolgsrezept, Formel, Gesetzbuch, Starrheit, erstarrt, eingleisig, überorganisiert, unflexibel, Schubladendenken.

Beispiel: aus Distanz betrachtet bildet der Tropfenschleier aber eine einfache geometrische Form.

Neun
lebendig sein

Die Neuner stehen für Umwandlungsprozesse mit vielen verschiedenen Objekten: es lebt!

Weitere Begriffe: bewegen, lebendig machen, gegenseitig erkennen, projizieren, Ausreifung, Musterung, Grundlage auf die man sich verlassen kann (Fundament), Perfektion, Prozess, persönliche autonomie im Umgang mit den Elementen.

Beispiel: die Tropfen glitzern fröhlich in der Sonne, bilden einen Regenbogen, und erfrischen.

Zehn
Ergebnis

Die Zehner stehen für die vollendende Art der Umwandlung: real werden.

Weitere Begriffe: Geborgenheit, real machen, ernten und loslassen, Verdinglichung, Erfüllung, Ziel und neuer Ausgangspunkt, "Realität", Ergebniswelt, baldiger Neubeginn.

Beispiel: ich sitze davor und geniesse es.

© 2006 Hanspeter Schmid